Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2026 - Architektur

Die Posener Synagoge droht zu verfallen, obwohl sie ein bedeutender Erinnerungsort für die Geschichte der preußischen Juden ist, prangert die Kulturhistorikerin Agnieszka Pufelska in der NZZ anVon den Nazis wurde das prachtvolle Gebäude 1940 entweiht und in ein Schwimmbad umgewandelt, das bis Anfang der 2000er-Jahre Bestand hatte, Pläne der jüdischen Gemeinde für ein Museum konnten aus Kostengründen nicht erfüllt werden: "Während Nutzungskonzepte wechseln und Investoren kommen und gehen, verschlechtert sich der bauliche Zustand von Jahr zu Jahr. Heute wirkt der Verfall wie ein eigenes Erinnerungskonzept. Offiziell fordert niemand das Abreißen. Doch je länger die notwendige Sanierung ausbleibt, desto leichter wird sich dafür argumentieren lassen, dass eine Rettung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei. Die Zeit vollzieht, wozu sich die Politik bislang nicht offen bekennt: Die Erinnerung an die Posener Juden besitzt weder in Polen noch in Deutschland Priorität. Mit der ehemaligen Synagoge würde einer der wenigen Orte verschwinden, an denen sich die Geschichte der preußischen Provinzen noch in ihrer ganzen Komplexität ablesen lässt. Wenn heute von Posen oder Westpreußen die Rede ist, dominieren Erzählungen über deutsche Kulturlandschaften. Weniger sichtbar ist, dass diese Regionen zugleich von Polen, Juden und anderen Gruppen geprägt wurden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.09.2026 - Architektur

Das japanische Unternehmen Not A Hotel baut in Japan einen Pokéball, in dem nicht Pokémon, sondern Menschen übernachten können, meldet Florian Siebeck in der FAS: "Drei Meter Durchmesser soll die Kugel haben. Sie besteht aus zwei geformten Acrylhälften, die den Eindruck eines geöffneten Pokéballs vermitteln. Hinein gelangt man durch eine geschwungene Schiebetür. Drinnen bleibt naturgemäß nicht allzu viel Platz, außer für eine kreisrunde Matratze. Die Beleuchtung lässt sich passend zum Lieblings-Pokémon einstellen. Selbst die Fliesen im Bad tragen die Farben eines Pokémon, nämlich von Relaxo, dessen hervorstechende Eigenschaft darin besteht, fast den ganzen Tag zu schlafen."

Weiteres: Susanne Schaber sieht sich für die FAS in der Villa Rezek um, einem nun endlich wieder zugänglichen "Flaggschiff der Wiener Moderne".

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.09.2026 - Architektur

Alexander Menden (SZ) kann es kaum fassen: Nach anderthalb Jahrzehnten - und damit ganze zwölf (!) Jahre später als geplant ist die Sanierung des Schauspiels Köln tatsächlich abgeschlossen. Die Kosten sind in der Zeit von 253 Millionen Euro auf 798 Millionen angewachsen. Insgesamt schlagen nun, auch durch die Zwischenmieten, 1,5 Milliarden Euro zu Buche, weiß Menden, der nur die gröbsten Patzer eines der "langwierigsten und teuersten städtischen Planungsdesaster der westdeutschen Nachkriegsgeschichte" nachzeichnen kann. Aber hat es sich gelohnt? Der leitende Kölner Stadtkonservator Thomas Werner ist bei einem Rundgang jedenfalls "sehr zufrieden". Er "weist auf all die epochengetreuen Details hin: den kunstharzgebundenen Steinputz der Säulen, den kunstledernen Bezug der Garderobentheke, das originale Nussbaumholzfurnier an den Brandschutztüren des Auditoriums. Die 131 Schattierungen der ursprünglichen Farbgebung, die Architekt Wilhelm Riphahn für das 1957 im Beisein Konrad Adenauers eröffnete Haus vorgesehen hatte, sind nach Befund rekonstruiert. Das Gestühl des Zuschauerraums ist nicht nur im ursprünglichen Hellblau bezogen, sondern auch durch akustisch optimierte Sitzflächen ergänzt worden."

Weitere Artikel: Niklas Maak gratuliert dem Architekten Hans Kollhoff in der FAZ zum Achtzigsten.
Stichwörter: Schauspiel Köln

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.09.2026 - Architektur

Zum zehnjährigen Jubiläum der Hamburger Elbphilharmonie spricht deren Architekt, Pierre de Meuron, im taz-Interview mit Katrin Ullmann auch über umweltbewusstes Bauen: "Die Elbphilharmonie steht auf einem Bestandsgebäude, dem ehemaligen Kaispeicher A. Es wurde also kein neuer Ort bebaut, sondern ein bestehender Ort weiterentwickelt - und ein bis dahin eher unbelebtes Quartier aufgewertet und attraktiv gemacht. Das zeigt, dass sich ökologische Verantwortung und städtebauliche Wirkung nicht ausschließen, sondern ergänzen können. … Man sollte dabei nicht nur kurzfristig rechnen - Qualität, Dauerhaftigkeit, gute öffentliche Räume und langlebige Materialien schaffen langfristig einen hohen, nachhaltigen Mehrwert und vermeiden Folgekosten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.09.2026 - Architektur

"Als Ökosystem ist diese Straße eine Katastrophe"; erwidert die Architektin Almut Grüntuch-Ernst auf Claudius Seidls Versuch in der SZ, sie davon zu überzeugen, dass der Plan, die Münchner Ludwigstraße zu begrünen (unsere Resümees), ein ästhetischer Fehler ist. Grüntuch-Ernst baut selbst mit lebendigem Material und spricht dabei von "Hortitecture": "Mich interessieren die Synergien von Architektur und Pflanzen. Architekten und Stadtplaner sind ja die, die den Planeten sterilisieren, wie Frei Otto das genannt hat. Man muss das sehr überlegt tun, denn Boden ist eine endliche Ressource. Man muss begreifen, dass, was man baut, nicht isolierte skulpturale Objekte sind, sondern Teile des Ökosystems. Man muss also untersuchen, wie Architektur sich zur Umwelt verhält."

In der NZZ versucht Florentina Freise am Londoner Isokon Building mit seinen kleinen Wohnungen und winzigen Küchen zu erklären, weshalb bis heute über das Bauhaus gestritten wird. Das Bauhaus habe einen Menschen entwerfen wollen, der sich weniger über Herkunft als über Fähigkeiten definiere, habe dabei aber neue Eliten geschaffen: "Die eigentliche Revolution des Bauhauses bestand nämlich nicht in seinen Gebäuden, sie bestand in der Frage, wer dazugehört. Über Jahrhunderte entstanden Identität und Gemeinschaft vor allem durch Familie, Religion, Region oder Nation. Man gehörte irgendwohin, weil man dort geboren wurde. Die Moderne stellte dieses Prinzip infrage. Plötzlich entstanden neue Formen von Gemeinschaft. Menschen fanden sich über Interessen zusammen, über Berufe, Ideen, Netzwerke, freiwillige Zugehörigkeit."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.09.2026 - Architektur

Der Kunsthistoriker Andreas Beyer würdigt in "Bilder und Zeiten" (FAZ) die Architektur Hans Kollhoffs.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.09.2026 - Architektur

Immer wieder scheiterte Star-Wars-Erfinder George Lucas daran, ein Museum bauen zu lassen - nun hat das Lucas Narrative Museum of Art in Los Angeles eröffnet - und architektonisch sprengt der "futuristische biomorphe Museumsbau des chinesischen Architekten Ma Yansong, eingefasst von einem neu angelegten Park der amerikanischen Landschaftsarchitektin Mia Lehrer" alle Dimensionen, staunt Dirk Peitz in der Zeit: "In der Star-Wars-Ästhetik würde es einem Raumschiff der Rebellen ähneln, einem der Guten also, deren Fortbewegungsmittel stets organische Formen besaßen. ... Auf Erden und in der Wirklichkeit soll dieses Ensemble gestalterisch an eine kalifornische Idealnatur gemahnen, was eine Fiktion darstellt, denn die Natur existiert hier gar nicht (mehr). In der das Museum umgebenden Stein- und Asphaltwüste wirkt der Bau wie ein freundlicher Fremdkörper, der seine Naturwüchsigkeit nur vorgibt, um davon zu künden, wie die Zukunft gewesen sein könnte, wenn der Mensch auf seine eigenen Mythen gehört und nicht alles zubetoniert hätte." Die Sammlung selbst, die von Renoir bis Norman Rockwell dicht gehängt alles zeigt, was Lucas für narrative Kunst hält, überzeugt Peitz weniger.

In der NZZ stellt Hubertus Adam den Siegerentwurf für das Schweizer Memorial für die Opfer des Nationalsozialismus vor, das mitten in der Berner Innenstadt stehen wird: "'Unfolded Minute' - ausgefaltete Minute - heißt das zur Ausführung bestimmte Projekt des Siegerteams, bestehend aus den Historikerinnen Franziska Schürch und Isabel Koellreuter, dem Komponisten Jannik Giger, der Künstlerin Rahel Zaugg und den Architektinnen Andrea Steegmüller und Salomé Gutscher. Kernidee ist eine vielfach geknickte und insgesamt 60 Meter lange sogenannte Klangwand, die der Stützmauer zwischen Casinoterrasse und tieferliegender Promenade vorgeblendet ist. Die Wand, die den Erdboden nicht berührt, soll aus Stahlplatten bestehen. Hämmer, die an zwölf Stellen hinter der Wand verborgen sind, erlauben es, Elemente zum Schwingen zu bringen und Töne zu erzeugen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.09.2026 - Architektur

Postkarte, Karl-Marx-Allee Berlin mit dem Ensemble Kino International, entworfen von Josef Kaiser und Heinz Aust, Hotel Berolina, entworfen von Josef Kaiser und Günter Kunert, sowie Restaurant Moskau, entworfen von Josef Kaiser und Horst Bauer, 1964, © Foto Schlegel, Digitalisat: A. E. Witte

Wie konnte diese Architektur von westdeutschen Stadtplanern nach dem Mauerfall nicht "mit Glacéhandschuhen" angefasst werden, fragt sich Susanne Messmer (taz) beim Besuch der Josef-Kaiser-Retrospektive in der Berlinischen Galerie (mehr bereits hier): "1967 baute Kaiser unter anderen das DDR-Außenministerium, für das Schinkels Bauakademie weichen musste. 1970 folgte das Centrum-Warenhaus am Alexanderplatz. In all diesen Gebäuden bewies Kaiser, was gute Architektur bis heute ausmacht: Die Form folgt der Funktion, alles wirkt luftig und leicht. Nach der Wende galt all das plötzlich nicht mehr viel. Und zwar, so jedenfalls drängt sich der Eindruck auf, eher aus ideologischen denn aus pragmatischen Gründen. Das Hotel Berolina wurde 1996 abgerissen. Das Kosmos mit den großzügigen Freiflächen ringsum würde heute einen deutlich glamouröseren Berlinale-Palast abgeben als das Theater am tristen Potsdamer Platz."

Das Berliner Büro Barkow Leibinger hat den Wettbewerb zur Sanierung des Brücke-Museums gewonnen: mit großflächigen Fassaden, Hallen statt kleinerer Raumformate und dem Plan, den offenen Waldgarten zu einem Gartenhof zu machen, berichtet Nikolaus Bernau im Tagesspiegel. Nur stellen sich Fragen. Unter anderem "teilt die Senatsbauverwaltung mit, 16,79 Millionen seien für die Erweiterung, 9,03 Millionen für die Grundsanierung des Bestandsbaus vom Dach bis zu den Fundamenten 'geprüft', zusammen 26,825 Millionen Euro. Das ist angesichts der aktuellen Baukosten, pardon, schlichtweg absurd. Soll also hier erst mal ein Pflock eingetrieben werden, nach dem künftige Senate wieder einmal zahlen müssen, weil das Projekt nun einmal genehmigt wurde?" Ganz glücklich scheint Bernau auch nicht mit dem Sieger-Entwurf zu sein, wie er bei BauNetz ausführt: "Barkow Leibinger schlagen zwei große, mit geschlossenen Wandscheiben gerahmte Kuben für Wechselausstellungen vor, an diese anschließend kleinere Kuben für einen Lernraum und die Bibliothek. Licht fällt über Lamellen an den Decken und die Fensterwände Richtung Nordwesten und Südosten ein. Sie öffnen die Räume zwar nach außen, rauben aber viel Hängefläche für Kunstwerke."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2026 - Architektur

Für die FR hat sich Claus Leggewie die diesjährige Manifesta 16 im Ruhrgebiet angesehen, die unter dem Titel "This is not a church" fragt, was mit nicht mehr religiös genutzten Kirchengebäuden geschehen soll (unsere Resümees). Leggewie hebt die hohe Qualität der Exponate hervor und blickt auf die Geschichte der Region: "Kirchen sind vor allem in Gelsenkirchen - im 19. Jahrhundert eine der reichsten Städte des Deutschen Reiches, heute das AfD-geneigte Armenhaus der Republik - Erzählorte von ArbeitsmigrantInnen. Dabei wird die Historisierung des Bergbaus bisweilen mythisch überhöht. Denn der vielzitierte 'Strukturwandel' ist an der Ruhr schon lange der neue Aggregatzustand. Und wer das oft unterschätzte und wirtschaftlich weiterhin prekäre Revier kennt, weiß um das ungehobene Potenzial dieser Fünfmillionen-Metropole. Einige Exponate, zum Teil mit Kindern entwickelt, thematisieren ein lang verdrängtes Thema: die heute immer spürbarer werdenden Folgen der fossilen Überausbeutung für Mensch und Natur."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.09.2026 - Architektur

Weiteres: Bernhard Schulz resümiert für Monopol den Wettbewerb um den Erweiterungsbau des Brücke-Museums in Berlin.