Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.09.2026 - Architektur

Für die NZZ resümiert Marcus Stäbler eine Podiumsdiskussion zum zehnjährigen Jubiläum der Hamburger Elbphilharmonie, bei der nicht nur Intendant Christoph Lieben-Seutter, sondern auch der Architekt Pierre de Meuron sprach.
Stichwörter: Elbphilharmonie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.09.2026 - Architektur

"Bauhaus-Alge", Entnahme am Bauhausgebäude, Mikroskopische Aufnahme, 2025 (coloriert) © Hochschule Anhalt, Algenbiotechnologie in Köthen |Grafik: Heimann + Schwantes

In der Ausstellung "Algen, Schutt, CO2" der Stiftung Bauhaus Dessau, die aktuell im dortigen ehemaligen Kaufhaus Zeeck zu sehen ist, wird nicht nur über ökologisches Bauen nachgedacht, hier werden auch Betriebe und Initiativen aus der Region vorgestellt, die es bereits umsetzen, freut sich Arnold Bartetzky in der FAZ: "Wie die Ausstellung zeigt, kommen Impulse für die Entwicklung von Alternativen nicht zuletzt aus Sachsen-Anhalt. So gehört die Deutsche Basalt Faser GmbH in Sangerhausen europaweit zu den Pionieren in der Herstellung von Basaltfasern, einem Material, das umweltfreundlicher und als Betonbewehrung zum Teil leistungsfähiger ist als Stahl. Als umweltfreundliche Dämmstoffe werden Wolle, Hanf und Pilze thematisiert. Eine wollummantelte Raumstütze dient als Anwendungsbeispiel für die Verbesserung von Raumklima und Akustik. Neben Einsatzmöglichkeiten bereits bewährter alternativer Baustoffe bezieht die Ausstellung auch Experimente mit biologischen Materialien ein, die zu Rohstoffquellen der Zukunft werden könnten. Dazu gehören Algen, zu deren vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten auch die Fassadenbegrünung gehört."
Stichwörter: Bauhaus, Ökologisches Bauen

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2026 - Architektur

Haben sich die 1,5 Milliarden Euro, die die Generalsanierung der Kölner Oper gekostet hat, am Ende doch gelohnt? Welt-ler Boris Pofalla jedenfalls ist hellauf begeistert vom Ergebnis der Runderneuerung. Der vom legendären Architekten Wilhelm Riphahn entworfene Originalbau war 1957 ein Meilenstein der bundesdeutschen Nachkriegsarchitektur. Und in Zukunft wird ein Besuch der Kölner Oper zur "Zeitreise ins Deutschland der Adenauer-Ära, aber mit neuester Bühnentechnik". Pofalla staunt: "Hell, elegant, frisch und zugleich originalgetreu modernistisch" schaut der Bau aus. "Stuck und Ornamente sucht man in dem Bau vergebens, abgesehen von den Murano-Glasleuchtern, die von der mitternachtsblauen Decke des Foyers im ersten Stock herabhängen. (…) Der Garderobe mit ihren geschwungenen Formen und den Hängern aus gebürstetem Aluminium wurde ihre originale Bespannung aus taubenblauem Kunstleder zurückgegeben. Die Wände sind nicht mehr langweilig weiß, sondern so dezent farbig, wie Riphahn sie sich 1957 vorgestellt hatte."

Wer sich dafür interessiert, was Don Alphonso zum Thema AfD vs Bauhaus zu verlautbaren hat, wird ebenfalls in der Welt fündig.
Stichwörter: Oper Köln, Riphahn, Wilhelm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.08.2026 - Architektur

In der FAZ hat Bernhard Schulz gar nichts dagegen einzuwenden, dass Donald Trump sich beim Umbau der 1963 abgerissenen und 1968 wieder aufgebauten New Yorker Penn Station am ursprünglichen Zustand orientiert. Das liegt auch am Entwurf von Vishaan Chakrabarti, der zwar nicht mit antikischen Säulen prunkt, "wohl aber mit einer eindrucksvollen Reihe einer Art von Bündelpfeilern, die einen angedeuteten Architrav tragen und über dem sich zurückgesetzt die neu verkleidete Rotunde des Madison Square Gardens erhebt. Die ganze Front an der Achten Avenue, die bislang keinen Zugang zum Bahnhof aufweist, wird in einer zeitlos sein sollenden Architektursprache gestaltet. (…) New Yorker Kritiker heben die Anleihen beim Art déco der Dreißigerjahre hervor, einem Stil, der in den USA dank der zahlreichen öffentlichen Bauten unter der Präsidentschaft von Franklin Roosevelt bis heute präsent ist. (…) So eindrucksvoll die Bahnhöfe der USA von Chicago bis Washington auch ausfielen - und in New York mit Grand Central gleich noch ein zweites, zum Glück erhalten gebliebenes Beispiel vorweisen -, stilistisch sind sie zumeist, wie einst der große Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner urteilte, 'Classical Re-Revival', ein Aufguss des schon einmal Aufgegossenen."

Weiteres: Nikolaus Bernau macht sich im Tagesspiegel Gedanken, was aus dem Reichskanzleibunker werden soll.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.08.2026 - Architektur

Vorzüglich kuratiert findet Bernhard Schulz im Tagesspiegel die Ausstellung "Josef Kaiser. Bauen für die DDR" in der Berlinischen Galerie. Eine angemessene Würdigung für den DDR-Architekten, der ikonische Gebäude zu verantworten hat, wie die beiden Kinos "International" und "Kosmos": "Mit den Pavillons entlang der Magistrale und dem Hotel dahinter schuf Kaiser Bauten, die Leichtigkeit und Eleganz ganz selbstverständlich zum Ausdruck bringen. Kaiser wagte zudem um 1970 herum visionäre Entwürfe, die in der DDR nicht realisierbar waren, wie die beidseitig schräg ansteigenden 'Großhügelhäuser' als Megastrukturen gemeinschaftlichen Wohnens. Die Moderne hat Kaiser erst im Lauf der Zeit erlernt. Begonnen hat er bei einem ausgewiesenen NS-Architekten, und er kam als Leiter einer Bauabteilung in Oberschlesien leidlich durch den Krieg. In der jungen DDR machte er 1955 Furore mit dem Kulturhaus der Maxhütte im thüringischen Unterwellenborn, einem Prestigebau der SED-Politik. Es entstand eine klassizistische Anlage mit Tempelfront und besten Materialien, Vorbild für etliche weitere, jedoch kaum einmal an solche Monumentalität heranreichende Kulturhäuser. Anschließend baute Kaiser Wohnkomplexe in Stalinstadt, ab 1961 Eisenhüttenstadt, in jenem braven Heimatstil, den sich die frühe DDR zugelegt hatte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2026 - Architektur

Der Architekturtheoretiker Albert Kirchengast schreibt in der FAZ ein Plädoyer für mehr Schönheit in der Architektur, dazu hat ihn die Re-Lektüre einer Schrift von William Morris aus dem 19. Jahrhundert inspiriert. Schönheit geht in unserem Alltag zu oft verloren und gerade die Architektenzunft sollte sich verantwortlich fühlen, das zu ändern: "Wie sehr der Raum des Architektonischen der Treffpunkt von Ideal und Konkretion ist, darüber sollte nachgedacht werden. Und dieses Nachdenken sollte Entwerfen heißen. (…) Was wäre diese Schönheit als neu-alte Triebkraft? Schönheit ist die Erfahrung von Genügsamkeit. Sie stellt sich ein, wo die Dinge ins Gleichgewicht geraten. Das Maß hierfür ist ein ästhetisches: Wir fühlen es, aber es kommt von außen. Eines ist klar: Schönheit ist eine Frage der Lebensweise und damit unserer Kultur. Diese Kultur müssen wir gestalten - als Profession und als Gesellschaft."

Nikolaus Bernau ärgert sich im Tagesspiegel darüber, dass der Architekturwettbewerb für die Inneneinrichtung des Schlosses Bellevue rein auf deutsche Architekten beschränkt war. Das zeuge von Kleingeistigkeit: "Auch dem Bellevue-Wettbewerb hätten (Achtung: es folgen Klischees!) italienischer Designmut, spanische Kraft, französisches Raffinement, skandinavische Frische, britische Coolness sicher nicht geschadet. So aber ist überwiegend die für das zeitgenössische deutsche Interieur-Design ziemlich charakteristische Angst vor dem Wagnis, dem Außergewöhnlichen, dem Drama zu sehen: gehobene, aber ganz und gar unaufregende Mittelstandskultur."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2026 - Architektur

In der Welt porträtiert Marcus Woeller den Architekten Gustav Düsing, der den Auftrag erhalten hat, das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zu erweitern. Woeller erfährt: "Ein großer Teil soll unterirdisch liegen. Im Entwurf fallen wieder schlanke weiße Stützen, große Fensterfronten und halb offene Bereiche auf. Die flach geneigten Dächer sollen nicht nur begrünt, sondern Teil des Parks auf dem Schillerhügel werden. Manche wollen darin die Seiten eines geöffneten Buchs erkennen."

Weitere Artikel: Ebenfalls in der Welt begrüßt heute auch Marcus Woeller, dass Jürgen Habermas' Villa nun unter Denkmalschutz steht.
Stichwörter: Düsing, Gustav

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2026 - Architektur

Dass durch die extreme Dürre immer mehr archäologische Funde aus dem Wasser, etwa Hafenanlagen oder Brückenpfeiler, zum Vorschein kommen, klingt erstmal nicht schlecht. Warum dem nicht so ist, erklärt Lukas Werther, stellvertretender Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, im FAZ-Gespräch mit Antonia Krinninger: "Diese Hölzer lagen teilweise tausend oder zweitausend Jahre lang im Wasser und haben sich deshalb so gut erhalten. In dem Moment, in dem sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen, zersetzen sie sich. Das ist im Prinzip Kompostierung. Für uns ist das ein riesiges Problem. Wir sprechen hier von einzigartigen archäologischen Quellen, von denen nichts mehr übrig bleibt, wenn sie nicht mehr im feuchten Boden liegen. Wir können nicht viel dagegen tun, weil das auf so großer Fläche passiert. So schnell können wir gar nicht graben, um alles zu schützen."
Stichwörter: Archäologie

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.08.2026 - Architektur

Was mit dem 1972 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler am Starnberger See gebauten Wohnhaus von Jürgen Habermas passieren wird, ist weiterhin unklar. Nun aber steht es unter Denkmalschutz. Im SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel erklärt Mathias Pfeil, Bayerns oberster Denkmalschützer, weshalb: "In diesem Fall war es so, dass Habermas bei der Entwicklung des Gebäudes mitgewirkt hat. Er war nicht nur einer der wichtigsten deutschen Philosophen, seine Ideen sind auch eingeflossen in den Entwurf. Der Begriff der Vernunft war wichtig in Habermas' Denken. Und Vernunft ist der Schlüssel zu diesem Gebäude. Es hat Bezüge zu anderen Gebäuden, unter anderem von Le Corbusier, der ja auch so gedacht hat. Aber im Gegensatz zu den Häusern von Le Corbusier ist das Haus von Habermas bewohnbar (lacht). In dem Gebäude kann man in drei Dimensionen erleben, wie Habermas gedacht hat. Es ist im Sinn der Allgemeinheit, dass das bewahrt bleibt. Dafür ist Denkmalschutz da."

Atelier Zafari. Wohn- und Geschäftshaus. Berlin Mitte, nahe Brandenburger Tor. Fotografie: Jan Bitter

Für einen Moment keimt bei Ulf Meyer (FAZ) die Hoffnung auf, dass Bauen in Berlin doch gelingen kann: Der Architekt Sohrab Zafari hat in bester Berliner Lage in der Nähe des Brandenburger Tors ein Wohn- und Geschäftshaus geschaffen, das verdichtet, elegant und bezahlbar ist, staunt Meyer: "Das von Zafari entworfene Haus ist kein plumper Etagenstapel, sondern bietet - auch um soziale Vielfalt zu fördern - zwölf Wohnungen völlig unterschiedlicher Größen, von zwei generösen Maisonettewohnungen mit Dachgarten bis zum Pied-à-terre für Singles reicht das Spektrum. Kein Grundriss wiederholt sich. Zafari hat auch die Innenräume gestaltet - mit weißen Wänden, die das Licht reflektieren. Die auf die Fassaden abgestimmten Terrazzoböden verstärken den Eindruck eines monolithischen Baukörpers, der leicht und massiv, starr und bewegt zugleich wirkt. Zafaris Ziel war es nach eigenem Bekunden, 'nicht nur eine Baulücke zu füllen, sondern auch Lücken zu lassen'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2026 - Architektur

Das von Paul R. Williams entworfene La Concha Motel in Las Vegas. Foto: By Carol M. Highsmith

Susanne Kippenberger ist auf den Geschichtsseiten der Zeit dankbar, dass Paul R. Williams, Amerikas erster schwarzer Architekt, einst geehrt von Truman und Eisenhower und unter anderem für eine Villa von Frank Sinatra verantwortlich, mit gleich drei großen Ausstellungen (hier, hier und hier) in den USA der Vergessenheit enthoben wird. Immobilienmakler werben heute mit Williams, auch wenn dieser sich ebenso im sozialen Wohnungsbau einen Namen machte: "Schließlich wollte der Architekt nicht einfach Häuser bauen, wie er sagte, sondern 'homes'. Das galt selbst für Hotels und andere öffentliche Bauten einschließlich eines Bestattungsinstituts. ... In den Villen platzierte Williams Frühstückszimmer so, dass die Morgensonne hineinschien, knüpfte ein enges Band zwischen Drinnen und Draußen. Einen Williams erkennt man eher am Interieur als an der Fassadengestaltung. Zu seinen Merkmalen gehören offene, einladende Entrees, elegant geschwungene Wendeltreppen, fließende Raumfolgen, ovale Zimmer, Bogenfenster und -türen, überhaupt: Kurven, so viel es geht."

Nach Gerhard Matzig in der SZ (unser Resümee) ärgert sich heute der Architekturhistoriker Adrian von Buttlar in der FAZ über die Pläne, die Münchner Ludwigstraße vom Pariser Architekturbüro Michel Desvigne Paysagiste zur grünen Flaniermeile umgestalten zu lassen. Sie war im 19. Jahrhundert baumlos konzipiert worden, erinnert Buttlar: "Die Laudatoren sprechen von 'Fortschreibung' des rundum denkmalgeschützten 'Ensembles von Weltrang' ins 21. Jahrhundert und sogar von einem Musterfall des Umgangs mit unseren geschichtsträchtigen Altstädten. Das sollte nicht nur unter Kulturbürgern alle Alarmglocken schrillen lassen, denn das Gegenteil ist der Fall und offenbart die galoppierende Geschichtsvergessenheit und architekturhistorische Ignoranz der Verantwortlichen. Die Prämissen des Wettbewerbs zielen auf die Zerstörung der Denkmalcharakteristika dieses stadtbaukünstlerischen Gesamtkunstwerks, zu dem nicht nur die Bauwerke und ihre variantenreichen Fassaden, sondern auch die durch sie konstituierten Räume, Plätze und majestätischen Blickachsen gehören."

Weitere Artikel: Stefan Rebenich resümiert in der FAZ eine Debatte, die um die "iga*61 - Die DDR durch die Blume" im Erfurter Deutschen Gartenbaumuseum entbrannt ist. Erzählt wird dort auch die politische Dimension der iga, ein nicht namentlich genannter thüringischer Politiker kritisierte das Vorhaben und behauptete, die iga sei nie politisch gewesen.