Was hält man aus

Marie Kreutzers "Gentle Monster" erzählt von einer Normalität, in der das Monströse Platz findet. Im Kino Benjamin Moldenhauer

Überlebt Demokratie?

Siegt das Böse in der Politik? Diskussion mit Linda Teuteberg und Roderich Kiesewetter über Richard Herzinger im Pilecki-Institut Berlin. Am 24. September.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Knallroter Warhol-Widder

21.09.2026. Die SZ untersucht mit Peter-Andre Alt, wie es die deutschen Kanzler mit den Intellektuellen hielten. Die FAZ wünscht Sylvester Groths Lesung des Orwell-Klassikers "1984" viele Hörer. Dlf wird im Jugendbuch von Rüdiger Bertram und Heribert Schulmeyer Zeuge einer unerwarteten Freundschaft zwischen Kriegsfronten. Dlf Kultur buddelt mit Frank Ashwood in der Erde und findet dort schrumpelnde Bärtierchen und durchsichtige Tausenfüßler. Mit Ferren Gipson deutet sie die Sterne am Firmament der KunstgeschichteMehr...

ESSAY

Postmortale Unschuldsvermutung

21.09.2026. Neulich atmete die deutsche Öffentlichkeit auf. Endlich schien der Anschlag auf das Haus der Israelitischen Kultusgemeinde  in München im Jahr 1970 geklärt. Sieben Bewohner, Holocaust-Überlebende, sind bei diesem Anschlag ermordet worden. Nachdem sich eine Zeugin vom Hörensagen gemeldet hatte, identifizierte die Polizei einen Rechtsextremisten, der vor einigen Jahren gestorben ist. Aber es gibt erhebliche Zweifel an seiner Täterschaft - vor allem der von der Polizei dargestellte Tathergang ist extrem unplausibel. Denn direkt vor seinem Anschlag mit einem zwanzig Kilo schweren Benzinkanister soll der Täter außerdem noch versucht haben, einen Juwelierladen in der Nähe auszurauben. Eine Rekonstruktion. Von Wolfgang Kraushaar. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Wie galaktische Hexen

21.09.2026. An der Deutschen Oper erleben die Kritiker in Karlheinz Stockhausens Oper "Mittwoch aus Licht" esoterischen Wahn samt Streichquartett in fliegenden Helikoptern. Im Gropius Bau entdecken die Kritiker migrantische Kunst, die seit den 1960er-Jahren entschieden die Kreuzberger Szene mitprägt. Auf dem Filmfestival Toronto kann die FAZ die Bruchlinien sehen, die sich zwischen chinesischem, amerikanischem und europäischem Kino auftun. Die Posener Synagoge verfällt, obwohl sie ein bedeutender Erinnerungsort ist, klagt die Kulturhistorikerin Agnieszka Pufelska in der NZZ. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

So simpel wie radikal

21.09.2026. Ok, zumindest war's das für dieses Jahr mit historischen Wahlen. In Mecklenburg-Vorpommern sinkt die CDU erstmals in allen Landtagswahlen unter 5 Prozent. In Berlin könnte die Partei Die Linke nach 37 Jahren wieder das Ruder übernehmen. Die taz feiert mit, andere Stimmen sind distanzierter. Außerdem: Srebrenica war nur die letzte Episode einer genozidalen Kampagne, erinnert Hasan Nuhanović, Überlebender des Massakers, in der FR. Auch die NZZ kommt auf den serbischen Nationalismus zurück. KI-Warnungen haben weiterhin Hochkonjunktur. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Überlebt Demokratie?

10.09.2026. Siegt das Böse in der Politik? Welche Politiker demokratischer Parteien haben die Statur, das Charisma, den Humor und die Vernunft, sich dem Abdriften der Demokratie in Polarisierung, Autokratie und Leisetreterei vor religiösem Fanatismus entgegenzustellen? Solche Fragen stellte sich Richard Herzinger in seinen Essays und seinen Kolumnen für den Perlentaucher. Am 24. September diskutieren Linda Teuteberg, Roderich Kiesewetter und ich zu diesen Fragen im Pilecki-Institut am Pariser Platz.  Von Thierry Chervel. Mehr...

IM KINO

Was will man sehen, was hält man aus

15.09.2026. Der Vater wird wegen Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie verhaftet, die Mutter versucht ein Bild von ihm zu bekommen, mit dem sie weiterleben kann. Marie Kreutzers "Gentle Monster" erzählt von einer Normalität, in der das Monströse einen Platz finden kann. Von Benjamin Moldenhauer. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Hand in Hand mit der Liebe

15.09.2026. Swetlana Alexijewitsch spricht in Meduza über "Menschen der Kriegskultur".  Der New Yorker porträtiert den Trump-Gesandten Jared Kushner als Virtuosen des Win-Win. Aber auch Donald Trump Jr. geht es bestens - er ließ sich laut Propublica seine Hochzeitsfeier von einem Putin-Vertrauten bezahlen.  Elet es Irodalom begleitet die Regierung Peter Magyars nun doch mit einiger Skepsis. In der London Review of Books schwärmt Literaturwissenschaftler Colin Burrow über Gedichtbesprechungen der amerikanischen Kritikerin Helen Vendler. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Ins gemeinsame Diesseits der Literatur

14.09.2026. Der literarische Herbst beginnt mit nicht nur einem Paukenschlag: Maxim Biller sucht nach dem Urgrund des Antisemitismus. Samuel Beckett reist in den Jahren 1936 und 1937 durch Deutschland - mit Witz und Wut im Bauch. Banu Mushtaq erzählt vom Alltag indischer Frauen unter der Scharia. Die Journalistin Asne Seierstad zeichnet ein meisterliches Panorama der russischen Gesellschaft. Und Christian Buckard lädt ins Café Babylon. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats September. Mehr...

FOTOLOT

Unglaublicher Reichtum

14.09.2026. Gunnar Eichholz hat mit seinem Text- und Bildband "Jugoslawien - Das Land, das es nicht mehr gibt" ein Werk langjähriger, akribischer Leidenschaft geschaffen, einen sagenhaften, zweieinhalb Kilo schweren Wälzer von fünfhundertsechzig kleingedruckten Seiten, eine Hommage an ein Land, das ein Zentrum der europäischen Nachkriegsmoderne war. Brutalismus, Laibach, Marina Abramovic. Alles kommt vor. Dies Buch ist eine Reise. Von Peter Truschner. Mehr...

TASCHENBÜCHERBRIEF

Taschenbücherbrief: Wie in einem Fiebertraum

04.09.2026. Der neue Taschenbücherbrief ist da! Und da ist viel Schönes dabei: Jonas Lüscher geht auf einen atemlosen Trip durch die Länder und Jahrhunderte. Fiona Sironic jagt im vom Klimawandel ausgetrockneten Wald im Jahr 2050 Dinge in die Luft. Leon Engler blickt in das Gesicht des Wahnsinns. Volker Weiss entlarvt die Geschichtsklitterung der Rechten. Und Perlentaucherin Alice Fischer empfiehlt Jakob Heins berauschte DDR-Satire "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste".   Von Alice Fischer. Mehr...

FOTOLOT

Ein Totentanz, ein Fiebertraum

24.08.2026. Benita Suchodrevs Fotobuch "Find me paradise " ist ein fotografisches Memorandum, gebaut aus Ekstase und Routine, menschlichen Torheiten und Triumphen. Ähnlich rastlos wie Suchodrev, aber auf eine ganz andere, ungleich stillere Art, war auch Fred Hüning, der vor Kurzem verstorben ist. Für ihn zählte nicht das Prestige, sondern nur die Fotografie: Sein Fotobuch "One Circle" ist heute Anschauungsmaterial für den fotografischen Nachwuchs von Montréal bis Helsinki. Von Peter Truschner. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Christian Buckard: Café Babylon

09.08.2026. Der Glanz des Romanischen Cafés erstrahlte einst bis Paris, New York und Tokio. Hier traf man alle an: Bertolt Brecht, Mascha Kaléko und Joseph Roth, George Grosz, Marlene Dietrich und Albert Einstein. An den Marmortischen entstanden Bücher und Filmideen, wurden Kunstrichtungen geboren, wurde gestritten und geträumt - bis die Nazis die Lichter ausmachten. Christian Buckard erzählt die Geschichte der schillernden Cafébewohner in diesem Buch. Wir präsentieren das Kapitel über den Betreiber des Cafés, Bruno Fiering, den "Fürsten der Galut". Von Christian Buckard. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Necla Kelek: Glückskind

05.08.2026. Die Soziologin Necla Kelek hat sich als Kritikerin eines reaktionären, patriarchalen Islam einen Namen gemacht. In ihrer Autobiografie "Glückskind" erzählt sie, wie ihre Familie Anfang der 1960er aus Anatolien nach Istanbul zog. Die Keleks sind säkulare Muslime, die Atatürk verehren, an die Republik glauben, die Moderne und die Demokratie. 1966 dann zieht die Familie nach Deutschland, ins niedersächsische Bückeburg. Unterstützt von ihrer Familie begegnet Necla, damals neun Jahre alt, der deutschen Gesellschaft von Anfang an mit Neugier. Das geht bis zu Marxismusvorlesungen bei der IG Metall. Hier zwei Leseproben aus dem Buch: Über das Leben in Istanbul und dann in Bückeburg. Mehr...

INTERVENTION

Jene mühsam erkämpfte Freiheit

28.07.2026. Nach dem CSD-Attentat fragen die Medien nach einem möglichen Versagen der Behörden, zu diesem Zeitpunkt sicher zurecht. Aber das eigentliche Versagen lag vorher. Der Attentäter Abdul Ballout war Deutscher. Er sprach Deutsch. Er ist auf deutsche Schulen gegangen. Er wurde von deutschen Lehrern betreut. Ballout ist trotz seiner deutschen Sozialisierung abgedriftet. Was sagt das über die Qualität der Sozialisierung? Über einen Elefanten im Raum. Von Thierry Chervel. Mehr...

MIND THE GAP

Zwischenredestromland

21.07.2026. Der Perlentaucher hat mit "Toledo", dem Programm des Deutschen Übersetzerfonds, eine neue Kolumne - "Mind the Gap" gestartet: Hier geht's ums Übersetzen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Im zweiten Teil der Kolumne schreibt die Russisch-Übersetzerin Olga Radetzkaja: "Es sollte mich nicht wundern, wenn gerade übersetzte Literatur wegen der Extraportion Leben, die sie enthält, zum begehrtesten Rohmaterial zählt, mit dem die synthetischen Gehirne der großen Sprachmodelle gefüttert werden." Von Olga Radetzkaja. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Leseprobe 2 zu H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. 1958 lud das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) H. G. Adler ein, "eine Arbeit nach eigener Wahl" aus seinem deutsch-jüdischen "Themenkreis" zu verfassen. Daraus entstand "Der verwaltete Mensch", ein Grundlagenwerk zu Rolle der deutschen Bürokratie bei der Verschleppung der Juden. Warum das IfZ damals diese Arbeit ablehnte, lesen Sie im zweiten Teil des Vorworts von Götz Aly. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

H. G. Adler: Der verwaltete Mensch

17.07.2026. H. G. Adler veröffentlichte mit "Der verwaltete Mensch" ein grundlegendes Großwerk zum Holocaust, das die Rolle der Bürokratie bei der Vorbereitung und Umsetzung der Verschleppung und massenhaften Ermordung der Juden im Nationalsozialismus beschreibt. Im ersten Teil seines Vorworts zu dem Buch stellt der Historiker Götz Aly den 1910 in Prag geborenen Autor vor, der seine ganze Familie im Holocaust verlor. Mehr...

IN EIGENER SACHE

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

18.12.2025. Der Perlentaucher hat inzwischen 110.543 Rezensionsnotizen zu 67.013 Büchern. Wir spiegeln die qualifizierte literarische Öffentlichkeit dieses Jahrhunderts. Zuverlässige Information ist gerade in unzuverlässigen Zeiten wichtig: Wir machen seit dem dem 15. März 2000 eine tägliche Feuilleton-Presseschau. 500.000 verschiedene Menschen besuchen den Perlentaucher monatlich mindestens einmal. Besonders danken möchten wir 2.000 unter ihnen, die uns monatlich mit einem  freiwilligen "Abo" unterstützen.  Von Thierry Chervel. Mehr...

Beliebte Bücher

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Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
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Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.…
Ingo Schulze. Das Wasser im August - Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2026.Ingo Schulze: Das Wasser im August
Eingeladen zu einer Lesung aus seinem unfertigen Manuskript, fährt der Erzähler nach Mecklenburg. Eine Landschaft mit weitem Horizont und Wolken, die tief über die Seen ziehen.…