Mit sechzehn Jahren war sie zum Broterwerb als Gouvernante gezwungen, mit fünfundzwanzig ein Superstar der deutschsprachigen Lyrik-Szene, nach 1848 die erste Journalistin Österreichs. Betty Paoli war in turbulente Liebesbeziehungen verwickelt und skandalumwittert, befreundet mit revolutionären Dichtern, mit Franz Grillparzer, Adalbert Stifter und Marie von Ebner-Eschenbach. Sie war Gast in hochadeligen Häusern, Übersetzerin für das Burgtheater und bis ins hohe Alter in den Wiener Salons wegen ihres scharfen Verstands und trockenen Humors von den einen gefürchtet, von den anderen bewundert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2025
Eine kenntnis- und erkenntnisreiche Biographie der Dichterin und Journalistin Betty Paoli legt Karin S. Wozonig hier vor, freut sich Rezensentin Rose-Maria Gropp. Entlang der Lektüre skizziert Wozonig Paolis Leben, geboren wurde sie 1814 als Tochter einer Bürgerlichen, wer ihr Vater war, ist nicht abschließend geklärt, sie selbst musste sich unter anderem als Gouvernante und Gesellschaftsdame durchschlagen, schrieb außerdem Gedichte und Feuilletons. Laut Gropp beschreibt Wozonig Paoli als eine Frau, in deren Leben und Schaffen emanzipative und konservative Tendenzen nebeneinander bestanden, sie war unabhängig, aber schien genau daran oft gelitten zu haben. Schön findet die Rezensentin, dass die Autorin der Porträtierten nüchtern, nicht schwärmerisch gegenübertritt und diese Biographie zu einem Panorama der dynamisch sich verändernden Kulturszene und Presselandschaft Österreichs ausbaut. Noch besser, dass sich das alles noch anregend liest, freut sich Gropp abschließend.
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