Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2026 - Design

Die Modebranche schmückt sich zumindest performativ in letzter Zeit immer häufiger mit Literatur, schreibt die Kulturwissenschaftlerin Catharina Rüß in der SZ: Dieser "Literary Chic wird vorrangig durch Bilder auf Social Media vermarktet. Lesen avanciert so zur Performance, mit der sich die Mode einen Glow von Distinguiertheit verleiht. Interessant ist, dass die Marken auf Bekanntes setzen: durchs Feuilleton abgesegnete Werke und Klassiker der Literatur. Damit gehen sie auf Nummer sicher." Aber warum das Ganze? "Erstens adressieren sie eine weibliche, gebildete Kundenschicht. Studien zum Leseverhalten legen nahe, dass Frauen häufiger Belletristik, Männer dagegen öfter Informationsmedien lesen. Zweitens verleihen Romane den Marken eine Exklusivität, die das zeitgenössische Modedesign offenbar nicht mehr in der Lage ist zu vermitteln. ... Dass die Luxusmarken Bücher für sich entdecken, kann zudem als Versuch gewertet werden, akademische Schichten und Old-Money-Eliten als Kunden zurückzugewinnen."
Stichwörter: Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.09.2026 - Design

Die Volkswagen-Krise zeigt sich auch im Design, ja mehr noch - vielleicht ist das Design sogar mit dran schuld, dass der einstige Hersteller egalitärer Automobile wie dem Käfer und dem klassischen Golf heute im Trüben fischt, schreibt Niklas Maak in der FAZ. "Die Designkrise bei Volkswagen spiegelt einen Wertewandel wider: Der unaufgeregte ästhetische Konsens der nivellierten Mittelstandsgesellschaft, der die Bundesrepublik als zuverlässiges 'Normcore' prägte, ist verloren, die VW-Modelle spiegeln den Wunsch der Kunden nach Sicherheit und Dominanz im Verkehr wieder und danach, etwas Besonderes darzustellen; viele Modelle der Marke schauen wie indignierte Tiefseefische auf die Straße und versuchen, mit barocken Blechhüften, riesigen Kühlermäulern und thriumphalistischer SUV-Aggressionsoptik über ihre technischen Unzulänglichkeiten hinwegzutrösten - und über ihren saftigen Preis. Volkswagen hat das Volk vergessen."
Stichwörter: Volkswagen, Autos, Autodesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2026 - Design

Vase Khora. Bild: Luis Frey.


Florian Siebeck interviewt Laura Ewert für die FAS, die das Designfestival "Currents" mitverantwortet und trotz übler Diagnose für das Designbewusstsein der Deutschen noch Hoffnung hat: "Wir bewegen uns lieber in einem funktionalen Käfig: bloß nicht zu emotional, zu schön, zu verspielt. Vergleichen Sie doch mal die Müllbehälter in deutschen Großstädten mit denen in Paris oder Mailand. Deutschland ist vielleicht nicht gestaltungsfeindlich, aber wir mögen es hässlich. Und doch: Es gibt sie, die Designerinnen und Designer, die clever und experimentierfreudig sind. (…) Daftar, ein Berliner Label, macht Möbel aus Edelstahl und Perserteppichen und erzählt damit etwas über Deutschland als Einwanderungsland. Oder Luis Frey, der eine Vase entworfen hat, die wie ein kleines Tablett aussieht: Darin steht etwas Wasser und ein kleiner Pin, auf den man eine Blume stecken kann. Das ist starkes Design, emotional, poetisch."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2026 - Design

Zelda Biller schaut für die NZZ auf die Hintergründe zur abgesagten Galliano-Ausstellung in New York (mehr dazu bereits hier). Der einst gefeierte Modedesigner verlor bekanntlich 2011 hochdekorierte Posten in der Branche, nachdem er sich wüst rassistisch und antisemitisch geäußert hatte und dann auch noch ein Video auftauchte, in dem er von Hitler schwärmte. Die nun doch nicht stattfindende Ausstellung, die ursprünglich wohl von Mode-Zarin Anna Wintour lanciert wurde, sollte offenbar eine große Rehabilitation einläuten, die sich in den letzten Jahren bereits durch vereinzelte Posten und Pöstchen ankündigte. "Die Geschichte John Gallianos ist ein großes Hin und Her: Mal rastet er aus, mal kriecht er zu Kreuze, mal macht er sich über Juden mit einer Kaftan-Maskerade lustig, dann will er sein Werk in einer großen Schau würdigen lassen - und am Ende wird diese abgesagt, weil es wieder einmal jüdische Kritiker waren, die protestierten. Darin zeigt sich auf exemplarische Weise ein Muster, das das Verhältnis nichtjüdischer Gesellschaften zu Juden generell prägt: Mal werden sie angegriffen, mal bittet man um Vergebung, mal beschäftigt man sich mit ihrer Geschichte, macht Ausstellungen über sie. Dann wendet man sich wieder ab. Und immer bleibt die Frage: Was kommt als Nächstes?" In der taz blickt Hilka Dirks auf die Geschichte.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2026 - Design

Mit viel Pomp hatte das Metropolitan Museum of Art in New York vor einem Monat angekündigt, 2027 eine große Ausstellung John Galliano zu widmen, der 2011 wegen wüster antisemitischer und rassistischer Äußerungen von Dior vor die Tür gesetzt wurde. Die Ausstellung wurde nun nach empörten Reaktionen eher kleinlaut wieder abgesagt. Es sollte nach sich häufenden Rehabilitationsversuchen in den letzten Jahren "offensichtlich die ultimative Reinwaschung" werden, ist Silke Wichert in der FAZ überzeugt - und wirft einen Blick hinter die Kulissen: "Es ist kein Geheimnis, dass Anna Wintour ein großer Unterstützer von Galliano als Designer ist und die Ausstellung sogar gern schon früher umgesetzt hätte. Sie dürfte auch den Deal mit Zara eingefädelt haben, für die John Galliano demnächst entwirft. Umgekehrt wurde erwartet, dass Zara beziehungsweise der Konzern Inditex als einer der Hauptsponsoren bei der nächsten Gala auftreten würde. Es ist erst recht kein Geheimnis, dass New York eine sehr starke jüdische Gemeinde hat, zu der auch viele Unterstützer des Museums zählen. War es schlicht naiv zu glauben, eine Ehrung Gallianos dieser Größe würde einfach so hingenommen? Oder totale Selbstüberschätzung auf Seiten von Anna Wintour, die gern ihren Willen durchsetzt, und ihn normalerweise auch bekommt?"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2026 - Design

Als Roland Barthes seinerzeit vom Automobil schwärmte, präsentierten sich die Karrosserien ihm noch in allen Farben des Regenbogens, heute "sind die Kolonnen überwiegend magenbittergrau", seufzt Ronald Pohl im Standard. "Wie kaum zuvor in der Geschichte der Farbgewinnung werden dem Trüb-Grau immer neue Facetten abgewonnen", die "Anbieter werben mit Eigenschaftswörtern wie 'elegant, kraftvoll, klassisch, dominant'. ... Das farbliche Angebot reicht dann von mausig über schiefrig zu staubig, ganz zu schweigen von taubengrau. ... In allgegenwärtigen Grau drückt sich jetzt die geharnischte Absage an jegliche Paradiesvogelhaftigkeit aus. Als würde nicht ohnehin Legionen Gekränkter gegen alle Ressentiments hegen, die knallbunt sind - um dergestalt die Offenheit ihrer Lebenspraxis zu demonstrieren. Natürlich sind nicht alle Benutzer grauer SUVs AfD-Wähler oder anderweitig Bornierte. Aber das erstaunliche Understatement, das in der Graufärbung der Blechlawinen zum Ausdruck kommt, ist ein Kotau vor einer verschwundenen Moderne."
Stichwörter: Auto, Autodesign, Grau, Moderne

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2026 - Design

Aline Bavier, Sophia Becker, "re constructed", 2026. Filmstill. (Museum Angewandte Kunst / Sophia Becker)

Lisa Berins ereilen melancholische Anflüge beim Besuch der Ausstellung "On Display", in der das Frankfurter Museum Angewandte Kunst sich mit grundsätzliche Fragen des Grafikdesigns befasst: "So war das damals, als Menschen noch ihre Welt gestalteten", seufzt Berins in der FR, "bevor die KI auch das übernahm. ... Ungeahnte Ausmaße der Einmischung von KI eruieren Aline Bavier und Sophia Becker passend dazu in ihrer Videoarbeit 're constructed'. Darin lassen sie eigene Kindheitserinnerungen durch generative Bildmodelle in KI-generierte Erzählungen umwandeln. Ob die KI bald eigenständig auch die Gestaltung der menschlichen Lebenswelt fortschreibt? Die Frage sei eher, wann es so weit sei, dass die KI uns überrasche, wann sie eine bisher ungesehene Ästhetik liefere, sagt Kurator Jonas Deuter."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2026 - Design

Ikeas Billy-Regal ist ein schlichter Klassiker aus der Welt des funktionalen und vor allem leistbaren Möbeldesigns. Der österreichische Künstler Heimo Zobernig hat daraus nun Aluminium-Varianten erstellt, die aktuell in der Berliner Galerie Nagel Draxler zu sehen sind. "Die silbrigen Platten mit ihren mesmerisierenden Kanten verwandeln die vertraute Form in ein auratisches Objekt der Minimal Art", schreibt Boris Pofalla in der Welt. "Sie scheinen rätselhafte Botschaften aus Zahlen und Buchstaben zu enthalten, die auf die Innenseiten der Regalwangen gedruckt sind. Tatsächlich sind dies die Materialkennzeichnungen aus der Aluminiumfabrik. Sie verraten uns, dass dieses Objekt mit einer Plattenstärke von 20 Millimetern alles andere als leicht sein dürfte und es sich um eine Aluminiumlegierung mittlerer Festigkeit mit hoher Korrosionsbeständigkeit handelt, die sich sehr gut schweißen und technisch anodisieren lässt. ... Aber eigentlich ist es zu schön, um da etwas hineinzulegen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.07.2026 - Design

"Die Welt ist möglicherweise endgültig in den ESC-Televoting-Modus geraten", merkt Gerhard Matzig in der SZ zu dem Umstand an, dass die EU-Bevölkerung noch bis zum 21. September dazu aufgerufen ist, über die Neugestaltung der Euro-Scheine abzustimmen. "Eine Vorahnung macht sich breit: die Verbreitung von immer mehr Hässlichkeit in Form des kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenners. ... Wie, Sie haben keine Ahnung, zum Beispiel vom Banknoten-Design? Auch keine Idee, kein ausgeprägtes Stilempfinden und keine Ästhetik-Vorstellung? Sie wissen nichts von der ehrwürdigen Gestaltungshistorie im Reich des Geldes? Dass einmal die besten Graveure ihrer Länder tätig waren, um das Geld als nationale Bedeutungsträger zu gestalten? Dass bedeutende Grafiker Banknoten entwarfen als Chiffren nationaler Besonderheiten und repräsentativ ausstrahlender Suggestion? Umso besser: Denn herumklicken, wegwischen und irgendwas aus irgendwelchen Gründen irgendwie okay, richtig super oder auch krass doof finden: Das kann doch jede und jeder."
Stichwörter: Geld, Euro

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.07.2026 - Design

100-Euro-Schein-Entwurf aus der Serie F von Jan Robert Dünnweller.


Um die Beziehung der Europäer zu ihrer Währung zu stärken, darf über zehn verschiedene Euroschein-Entwürfe abgestimmt werden. Stefan Trinks zweifelt in der FAZ ein wenig am Vorhaben: "Nun wüsste man niemanden zu nennen, der sich in den vergangenen zwei Dekaden über fehlende Identifikation mit Geldscheinen beklagt hätte, eher über das Fehlen selbiger im Portemonnaie. Aber sei es drum. Ob also die Abstimmung eine gute Idee ist und Europa nicht noch mehr entzweien wird? Schon das Urteil des Paris hat bekanntlich keinen Segen über den Kontinent gebracht, denn über Schönheit lässt sich nun einmal kein objektives Urteil fällen. Ob der betongraue Fünfer der Serie A mit der Callas in knäckebrottrockenem Mondrian-Graphikdesignrahmen dem künstlerisch ambitionierten Hunderter der Serie F mit einem malerisch wie von Neo Rauch hingeworfenen Leonardo in Pink auf Grellgrün auf irgendeiner sachlichen Ebene verglichen werden kann, ist fraglich. Zu divergent sind die Stilistiken."