Uwe Kolbe

Das Alter der Elbe

Gedichte
Cover: Das Alter der Elbe
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2026
ISBN 9783103977011
Gebunden, 144 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Uwe Kolbe spricht in seinem neuen Gedichtband von der Elbe und ihrem weit gefassten Einzugsgebiet. Die Gedichte folgen autobiographischen und zeitgeschichtlichen Spuren, vomSchleppkahn der Eltern im Interzonenverkehr zwischen Ost und West über die Verbrechen der NS-Zeit bis zu heutigen, realen Ufern. Poetische Momentaufnahmen wie die Zusammenschau von Wanderungen und Reisen entlang der Gewässer wechseln sich ab. Dabei strömen und mäandern die Gedichte wie die Gewässer selbst. Und natürlich führen sie uns auch zu den Quellen: zu den realen der Elbe im tschechischen Riesengebirge, vor allem aber zu den Mythen und Legenden, die die Elbe mit sich führt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.04.2026

Uwe Kolbe ist "ein ausgemachter Flussdichter", findet Rezensent Nico Bleutge, der in den hundert Gedichten über die Elbe einen Fluss mit "tausend Augen" und Spuren einer langen Geschichte kennenlernt. Nicht nur an antike Besiedlungen erinnert er, auch an die Toten des Nationalsozialismus, die sich von "Theresienstadt nach Neuengamme" an der Elbe erstrecken, lesen wir. Noch viel mehr geht es aber um Lebensgeschichte, so Bleutge, die an und in diesem Fluss fließt, mal Heimatlosigkeit anzeigt und mal die Hoffnung, "alles/Begrenzende werde für einmal vergehen". Dass Kolbe mit verschiedenen Metren spielt, sorgt für den Kritiker für produktive Unterströmungen, ihm gefällt auch, dass die Kapitel der Gedichte angeordnet sind wie kleine Flussinseln, zwischen denen Einflüsse von Walt Whitman oder Novalis fließen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026

Rezensent Christian Metz schätzt Uwe Kolbes Fluß-Gedichte wegen ihrer Fokussierung auf Menschen und Mythen am Elbfluss. Die Flussschwimmer nimmt der Autor ebenso in seine "Flusslinienkunde" auf wie Geschichten um die Atomkraft und die Elbwerft bei Boizenburg, stellt der Rezensent fest. Dass Kolbe zudem "Satz- und Gedankengenauigkeit" und ein ganz eigenes Sprachbewusstsein pflegt, findet Metz fein und allemal schöner als das "Abtasten einzelner Silbenfragmente" bei Kling. Die sechs vorliegenden Zyklen schreiben sich laut Metz auf bemerkenswerte Weise in den Flussraum und die Tradition des Dichtens über Flüsse ein. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.03.2026

Rezensent Jürgen Verdofsky folgt dem 1957 geborenen Dichter Uwe Kolbe begeistert auf eine poetische Reise entlang der Elbe, von der böhmischen Quelle über Magdeburg und Hamburg bis zu den amerikanischen Flüssen. In sechs Zyklen verschränke Kolbe Landschaft, Geschichte und Biografie zu einer strömenden Erinnerungsdynamik: "Wir lagen im Industriehafen nahe Magdeburg. / Rothensee. Der Hund versoffen in Hamburg- / Harburg." Die Elbe werde dabei zum "Aschefluss", der die Toten von Theresienstadt mit sich führe, aber auch zum Schauplatz des Torgauer Handschlags. Bis in die Gegenwart führen die Verse, auch nach Charkiw und Odessa, so Kolbe. Der Kritiker bewundert die "poetische Selbstgewissheit" der Gedichte, deren formales Experiment nie so weit gehe, dass das Interesse erlösche, man folge "flagranten Spuren wie Lockrufen". So entstehe eine eindringliche, nie simple, aber gut lesbare Poetik der Erinnerung, der man nach Verdofsky aufmerksam und mit Gewinn folgt.

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