Ulrike Draesner

penelopes sch( )iff

postepos
Cover: penelopes sch( )iff
Penguin Verlag, München 2025
ISBN 9783328603405
Gebunden, 304 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Wie kann man dem größten Mythos der abendländischen Kulturgeschichte angemessen begegnen? Man packt ihn in ein Gurkenglas - immerhin muss er transportiert werden. So jedenfalls machen es Penelope und ihre Begleiterinnen, wenn Ulrike Draesner sie hinaus aufs Meer schickt, um der Welt eine alternative Erzählung zur patriarchalen Vorlage zu schenken. Penelope - Inbegriff der treuen Gattin, makellos in der Erfüllung ihrer Rolle als bescheiden dienende Ehefrau. Ulrike Draesner wirft dieses Narrativ beherzt über Bord und ermöglicht eine Vielzahl neuer Perspektiven: auf die Person Penelope und ihre Wünsche, ihre Tatkraft, ihren Aufbruch in ein neues Leben. Auf die bis heute prägende Kraft der Frauen- und Männerbilder des alten Griechenland. Und nicht zuletzt auf die Frage danach, was gute Regierung bedeutet. Draesners Penelope ist klug, leidenschaftlich, freiheitsliebend. Als deutlich wird, dass der so traumatisierte wie brutalisierte Kriegsheimkehrer Odysseus als Herrscher nicht mehr tragbar ist, sticht sie gemeinsam mit hundert Frauen in See. Mit Listen, die u.a. Sirenen, Großmütter und fliegende Fische enthalten, entkommt man auf dem eigens angefertigten Schiff den Verfolgern. Abenteuerlich wird die Fahrt. Nicht nur geografisch führt sie ins Ungewisse. Der Unterschied zwischen freien Helleninnen und ihren aus Afrika stammenden Sklavinnen schmilzt als erstes dahin. Immer mehr Frauen erheben die Stimme und verlangen ihre Rechte. Am Ende landet eine bunte Gesellschaft in jener Lagune an, die wir heute Venedig nennen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2025

Gern begibt sich Rezensent Tobias Lehmkuhl mit Ulrike Draesner auf eine Odyssee der anderen Art. Denn die Dichterin unternimmt, erfahren wir, in ihrem neuen Werk nichts Geringeres als eine Homer-Umschrift aus weiblicher Perspektive. Lehmkuhl weist zwar auf einschlägige Vorarbeiten in dieser Richtung unter anderem von Sándor Márai hin, ist aber gleichwohl angetan von Draesners Idee, nicht Odysseus, sondern Penelope mitsamt einiger weiterer weiblicher Figuren auf Reisen zu schicken; und sie dabei nicht mit Seeungeheuern und Ähnlichem zu konfrontieren, sondern sich darauf zu konzentrieren, den Frauen eigene Stimmen zu schenken. Hier und da gibt es bei Draesner Anklänge an die klassische homerische Reinform, berichtet Lehmkuhl, insgesamt jedoch hält sie ihre Verse deutlich freier, was ihnen etwas Wellenartiges, Fließendes verschafft. Lehmkuhl ist der Ansicht, dass das gut zum Topos der Weiblichkeit passt, wie er überhaupt die dem Verlust verpflichtete Leichtigkeit dieses Werks mit dem Geschlecht der Hauptfiguren in Verbindung bringt. Insgesamt beschert das Buch Lehmkuhl ein intensives Leseerlebnis und interessante neue Einsichten.

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