Mit 30 Schwarzweiß-Fotos. Kaum ein Vorwurf kann schwerwiegender sein: Papst Pius XII. habe geschwiegen, als er von Hitlers Plan erfuhr, die Juden Europas zu vernichten. Er habe sogar tatenlos zugeschaut, als praktisch unter seinem Fenster die römischen Juden in die Todeslager deportiert wurden. Doch diese Version, auch bekannt als "schwarze Legende", ist falsch. Die Beweise, dass es ganz anders war, lagen ein halbes Jahrhundert im Geheimarchiv des Vatikans unter Verschluss. 2018 endlich werden die vielen 100.000 Akten der Forschung zur Verfügung stehen. Dr. h. c. Michael Hesemann hat als einer der ersten Historiker überhaupt Zugang zu den brisantesten Dokumenten des 20. Jahrhunderts erhalten. Im Rahmen seiner umfassenden Aufarbeitung dieses dramatischsten Kapitels der jüngeren Kirchengeschichte werden sie in diesem Band erstmals veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2018
Der hier rezensierende katholische Theologe Jörg Ernesti hegt Zweifel an der Arbeit von Michael Hesemann. Das für ein breites Publikum verfasste Buch ist für ihn eine Apologie, die zum Thema nichts wesentlich Neues bietet, sondern Bekanntes, wie Beziehungen zwischen Pius XII. und dem Widerstand gegen Hitler allzu einseitig herausstreicht, während sie kritische Literatur ausblendet. Methodisch scheint Ernesti der Band auch zweifelhaft, da das Archiv Pius XII. noch immer verschlossen ist und die angekündigten Geheimakten vor allem Material vor März 1939 betreffen, wie der Rezensent erklärt. Das Buch hat laut Ernesti eine ungute Schlagseite hin zu kirchlichen Archiven und missachtet wichtige Bücher wie die Pacelli-Biografie von Robert Ventresca. Eine differenzierte Darstellung zum Thema sieht anders aus, meint der Rezensent.
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