Josep Pla

Das graue Heft

Roman
Cover: Das graue Heft
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518224243
Gebunden, 249 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Auswahl von Josep M. Castellet. Aus dem Katalanischen und mit einem Nachwort von Eberhard Geisler. Dass er Schriftsteller werden will, weiß dieser junge Mann sehr früh - schon mit zwanzig schreibt er für mehrere Zeitungen. Vor allem aber schreibt er für sich: Tagebuch. Kein strindbergsches Ringen mit sich selbst, kein Hadern mit Gott und der Welt - er blickt um sich, schaut zu und beschreibt. Er will "versuchen, das intellektuell Schwierigste auf dieser Welt zu bewerkstelligen: die Wirklichkeit am Schopfe packen und möglichst lebendig erfassen". Er schreibt ohne jede Rhetorik, spürbar geprägt von der Lektüre Montaignes und Stendhals, ein früher Leser aber auch von Proust. "Das graue Heft", in den Jahren 1918/19 niedergeschrieben, kompositorisch überarbeitet und fast fünfzig Jahre später veröffentlicht, zeigt einen Schriftsteller im Werden: spitze Beobachtungen, Reflexionen, kurze Erzählungen und Porträts.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2008

Der in seiner Heimat einst außerordentlich populäre Katalane Josep Pla ist als einer der großen Autoren des 20. Jahrhunderst in Deutschland noch immer zu entdecken. "Das graue Heft", findet Rezensent Markus Jakob, ist womöglich der beste Ausgangspunkt für den, der Pla noch nicht kennt. Weil nämlich der späte Pla hier sehr frühe Texte in überarbeiteter Form veröffentlicht hat, kommen die unterschiedlichen Schaffensperioden des Autors zusammen. Dass Pla einer war, den die üblichen Genrezuordnungen und Textkonventionen wenig kümmerten, wird in den tagebuchförmigen Aufzeichnungen aus seinen Studentenjahren überdies deutlich. Plots interessierten Pla wenig, vielmehr ging es ihm um die "halluzinativ genaue Wiedergabe von Geringfügigkeiten" - da ist er etwa an Proust oder an Stendhal geschult, so Jakob. Gelobt wird die "geschmeidige" Übersetzung von Eberhard Geisler. Sehr bedauerlich findet es der Rezensent freilich, dass das mehr als 700 Seiten umfassende Original in dieser Bibliothek-Suhrkamp-Ausgabe um fast zwei Drittel gekürzt ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Sehr angetan ist Rezensent Walter Haubrich davon, dass zur Frankfurter Buchmesse 2007 gleich drei Bücher von Joseph Pla ins Deutsche übersetzt wurden. Zunächst aber gibt er uns eine kleine Abhandlung über das Leben des Schriftstellers, der eine "Vorliebe" für "ultrakonservative, ja, faschistische Tendenzen" gehabt habe, was der Übersetzer Eberhard Geisler in seinem Nachwort jedoch "gern vergisst". Die Auswahl aus seinem Tagebuch von 1918/1919, von J.M. Castellet vorgenommen, biete Beschreibungen von Plas Universitätszeit in Barcelona, seiner Heimatstadt Palafrugell und seiner Familie. Aber auch von Lesefrüchten aus dem Füllhorn europäischer Literatur sei im Tagebuch die Rede. Besonders beeindruckt hat den Rezensenten, wie differenziert Pla über "Wind und Wetter" schreiben kann, und er mag Plas "ironische Selbstbetrachtungen". Großes Lob geht auch an die Übersetzung Eberhard Geislers, der Plas Notizen in ein "ausdrucksstarkes, originelles Deutsch" gebracht habe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge begrüßt Rezensent Merten Worthmann diese Edition eines Klassikers der katalanischen Literatur. Denn einerseits liegt damit zwar das faszinierende Opus Magnum dieses Autors in deutscher Sprache vor, allerdings fehlen 450 Seiten - die Ausgabe greift auf einen früheren Auswahlband zurück und präsentiert lediglich ein Drittel dieser Tagebuchaufzeichnungen von 1918/19. Die aber haben es als jugendlicher Eroberungszug des dichterischen Horizonts einer Epoche für Wortmann in sich. Zwar trägt manche Beschreibung aus seiner Sicht noch Spuren jugendlichen Übereifers des 1897 geborenen Autors. Trotzdem hat er sie immer mit Genuss gelesen. Auch wegen ihres nüchternen, ironisch gefärbten Stils, den Wortmann darüber hinaus von existenzieller Skepsis grundiert fand. Gerade dies mache Josep Pla zur einzigartigen Gestalt in der katalanischen Szene, zum Chronisten, zum Jäger und Sammler von formvollendeten Beobachtungen und Geschichten. Die Übersetzung wird ebenfalls als "hervorragend" gelobt.

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