Klappentext
"Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben Teil der Herde, ob sie wollen oder nicht. Weil sie mit großen Tieren aufgewachsen sind, ihr Atmen und ihr Brüllen kennen, und den Geruch von Milch und Mist noch an sich haben. Weil sie im Glauben an die alte, ungerechte Ordnung großgeworden sind: Vater, Sohn und heiliger Hof, schon immer so gewesen." Broder Bahnsen wollte nie etwas anderes als Bauer werden, Nachfolger seines Vaters, der ihm den "Kuhverstand" vererbt hat, das Gespür für Tiere. Aber den Hof bekommt sein Zwillingsbruder Henning, nur wenige Minuten älter, immer schon selbstbewusster und mehr an Maschinen interessiert.Vom Hof vertrieben, baut Broder Bahnsen sich ein Gegenleben auf, wird Tierarzt und hält Abstand zum Betrieb, bis er nach über zwanzig Jahren wiederkommt und eine Praxis in der Nähe der Familie übernimmt. Ab da kümmert er sich auch um die Herde seines Bruders, der den elterlichen Hof zu einem hochmodernen Vorzeigebetrieb gemacht hat, mit Kühen, die auf maximale Milchleistung gezüchtet wurden.Doch der Erfolg hat seinen Preis. Broder ist der erste, der bemerkt, dass Henning langsam die Kontrolle über seinen Hof verliert. Und muss sich plötzlich fragen, ob er darauf nicht all die Jahre nur gewartet hat. Ist das die Gelegenheit, endlich den Platz seines Bruders einzunehmen? Oder hegt er genau wie seine Tochter Claire schon längst Zweifel an dieser Art der Tierhaltung?
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2026
Rezensent Jan Wiele bewundert, dass in Dörte Hansens Landlust-Variante ein geschlossenes Erzählkunstwerk schlummert. Eher ein Anachronismus, aber ein gut gemachter, findet er. Die Geschichte eines Bruderzwists im hohen Norden erzählt die Autorin mit schon gewohnter Kunstfertigkeit unterhaltsam und pointiert. Bekannte Stadt-Land-Konflikte, Rindergrippe, Kain und Abel und "Der Doktor und das liebe Vieh" spielen hinein, stellt Wiele fest. Aber wie Hansen ihre Motive und Referenzen jongliert und auch an die Gegenwart bindet, überrascht den Rezensenten doch sehr positiv. Ein stimmiger und sogar erbaulicher Roman, meint er.