Aus dem Französischen von Anne Weber. Über das Erinnern, das Vergessen und die Sorge davor, aus Fehlern der Geschichte nicht gelernt zu haben.Sie hatte ihr Leben dem Lesen und Schreiben gewidmet. Doch plötzlich zerbricht alles um sie herum, eine Diktatur breitet sich aus, das Schreiben wird unmöglich. Ihre einzige Ausdrucksmöglichkeit findet die Erzählerin in einem rätselhaft bleibenden "Soundblog". Mysteriöse, beängstigende und philosophische Gedanken beschäftigen sie: Die neue Macht zerstört nach und nach auf heimtückische Weise jede Erinnerung und versucht, alle Spuren der Geschichte zu löschen. Wann und wie hat dieser Umbruch stattgefunden? Gab es Warnsignale? Ist sie selbst schuld daran, dass die Dinge geschehen? Wollte sie sich nicht aus der Vergangenheit befreien?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.07.2020
Rezensentin Cornelia Geißler ahnt, dass der Zukunftsentwurf von Cecile Wajsbrot eine Möglichkeit unseres Daseins ist, die es zu verhindern gilt. Um Überwachung und geistige Verarmung kreist die von einem Schriftsteller-Ich erzählte Geschichte laut Geißler. Dass die dunkle Instanz nicht näher benannt wird, ebenso die genaue Zeit der Dystopie, stört Geißler nicht. Wie Bücher und sogar Worte Schritt für Schritt verboten werden, beschreibt Wajsbrot in "suchenden Sätzen", die die Rezensentin unversehens mit einer leicht verschobenen Wirklichkeit konfrontieren. Diese Herausforderung an die eigene Wahrnehmung nimmt Geißler gebannt an, auch wenn dieser Weltentwurf recht ungemütlich daherkommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2020
Hilmar Klute erkennt in Cécile Wajsbrots Roman von 2019 eine Dystopie, wie die Menschheit sie in manchen Teilen der Welt gerade kennenlernt. Die Geschichte einer "Verdunklung" des öffentlichen Lebens und der "kulturellen Auslöschung" durch ein totalitäres Regime erzählt die Autorin dabei laut Klute behutsam, klug und mit allerhand literarischen Referenzen von Platon bis Stifter als "allegorischen Weckruf" gegen die "schleichende Grausamkeit", erklärt Klute.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.03.2020
Sigrid Brinkmann schaut beklommen mit Cécile Wajsbrot in eine diktatorische Zukunft. Das ideologisch Böse wird für sie in jeder Zeile spürbar, wenn auch subtil. Soghaft findet sie den Text, da Wajsbrot ihre Dystopie, die Abschaffung von Kunst, Kontemplation und Gedächtnis, geschichtsbewusst und ohne Larmoyanz zu gestalten weiß. Umso wundervoller wirken da auf Brinkmann die eingestreuten traumartigen Aperçus. Sie künden von einem besseren Leben.
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